Koreanische Spiele für den Spieleabend
Koreanische Spiele für den Spieleabend: So funktionieren Ttakji, Gonggi, Yunnori und „Der Hibiskus blüht“
Kurz gesagt
Koreanische Popkultur ist auch in Deutschland angekommen, und Gesellschaftsspiele verkaufen sich so gut wie lange nicht. Die vier koreanischen Klassiker in diesem Artikel brauchen kaum Material, sind in Minuten erklärt und funktionieren mit Familie, Freunden oder in der WG.
Veröffentlicht am · von Mimi Bloomfeld
Korea ist gerade überall
Wer 2025 Radio gehört hat, kam an Korea kaum vorbei. Der Song „Golden“ aus dem Netflix-Film „KPop Demon Hunters“ wurde in Deutschland zum offiziellen Sommerhit gekürt, als erster K-Pop-Titel überhaupt (Tagesspiegel). Mit mehr als 236 Millionen Abrufen wurde der Film zum meistgestreamten Netflix-Film bis dahin (tagesschau.de).
Das ist kein Einzelfall. Für eine Studie des koreanischen Kulturministeriums wurden Ende 2024 rund 26.400 Menschen in 28 Ländern befragt, darunter Deutschland. 70,3 Prozent der Befragten mögen koreanische Kulturinhalte. Beim Wort „Korea“ denken die meisten zuerst an K-Pop, danach an koreanisches Essen und an Serien (MCST). Die beliebteste koreanische Serie war zum vierten Mal in Folge „Squid Game“ (Korean Film Council). Viele kennen einige der Kinderspiele in diesem Artikel aus genau dieser Serie. Mit ihr hat dieser Artikel aber nichts zu tun: Hier geht es um die harmlose, fröhliche Seite dieser Spiele.
Spieleabende sind zurück
Auch am Spieltisch tut sich etwas. Von Januar bis Mitte September 2025 ist der Umsatz mit Spielen und Puzzles in Deutschland um 18 Prozent gestiegen, das Segment Spiele allein um mehr als 22 Prozent. Der gesamte Spielwarenmarkt wuchs im selben Zeitraum nur um 4 Prozent. Laut Spieleverlage e.V. treiben vor allem Sammelkarten das Wachstum, aber auch Karten-, Party-, Familien- und Erwachsenenspiele (Spieleverlage e.V.).
Die weltgrößte Brettspielmesse SPIEL in Essen hat 2025 die Zahl der Tickets von 204.000 auf 220.000 erhöht. Sie waren schon zum Messebeginn praktisch ausverkauft (Frankfurter Rundschau).
Koreanische Spiele passen gut zu diesem Trend. Sie sind schnell erklärt, brauchen fast kein Material, und jede Runde dauert nur ein paar Minuten.
Ttakji: Papier gegen Papier
Material: gefaltete Papierplättchen, zum Beispiel aus zwei Blättern Papier.
So geht's in der klassischen Form: Ein Spieler legt sein Ttakji auf den Boden. Der andere wirft sein eigenes Ttakji kräftig darauf oder direkt daneben. Dreht sich das liegende Plättchen durch den Luftstoß um, hat der Werfer es gewonnen. Wenn nicht, wird gewechselt.
Tipp: Schwere, gut gefaltete Plättchen fliegen besser. Ein bisschen Technik und viel Schwung entscheiden das Spiel.
Gonggi: Fünf Steinchen, flinke Hände
Material: fünf kleine Steinchen. Laut dem koreanischen Kulturministerium wird Gonggi schon seit Jahrhunderten gespielt (MCST).
So geht's: Du wirfst ein Steinchen in die Luft, hebst ein Steinchen vom Boden auf und fängst das fallende Steinchen wieder. In den nächsten Runden hebst du zwei, drei und dann vier Steinchen auf einmal auf. Wer dabei ein anderes Steinchen berührt oder das fallende nicht fängt, gibt an die nächste Person ab. Zum Schluss wirfst du alle fünf hoch, fängst sie auf dem Handrücken, wirfst sie noch einmal hoch und fängst sie mit der Handfläche. Jedes so gefangene Steinchen bringt Punkte.
Yunnori: Das koreanische Familienspiel
Material: vier Wurfstäbe, ein Spielbrett mit 29 Feldern und vier Spielfiguren pro Team (MCST).
So geht's: Die vier Stäbe ersetzen den Würfel. Je nachdem, wie viele mit der flachen Seite nach oben liegen, darfst du ein bis fünf Felder ziehen. Die Würfe heißen Do, Gae, Geol, Yut und Mo. Landest du auf einem Feld mit einer gegnerischen Figur, wirfst du sie raus und darfst noch einmal werfen. Eigene Figuren dürfen sich stapeln und gemeinsam weiterziehen. Gewonnen hat das Team, das zuerst alle vier Figuren ins Ziel bringt.
„Der Hibiskus blüht“: Stillstehen!
Material: keins, nur etwas Platz.
So geht's: Eine Person steht mit dem Gesicht zur Wand und ruft „Mugunghwa kkochi pieotseumnida“, also „Der Hibiskus blüht“. Während sie ruft, schleichen sich die anderen näher heran. Am Ende des Satzes dreht sie sich blitzschnell um. Wer sich dann noch bewegt, ist raus. Wer es bis zur rufenden Person schafft und sie berührt, gewinnt. In Deutschland ist ein ähnliches Spiel als „Ochs am Berg“ bekannt.
Ein ganzer Advent voller Spiele
Diese vier Klassiker sind auch in „Das andere Adventsspiel“ dabei, zusammen mit 20 weiteren Spielen für die 24 Abende bis Weihnachten. Gespielt wird mit 2 bis 8 Personen, 10 bis 20 Minuten pro Abend. Statt Plätzchen geht es um Gom-Scheine, die Bärenwährung aus dem Buch. Die genauen Regeln für jeden Abend stehen im Buch.
Quellen
- Ministry of Culture, Sports and Tourism (Korea): The Growing Popularity and Diversification of Hallyu (08.04.2025)
- Korean Film Council: Foreign fans of 'hallyu' mostly associate S. Korea with K-pop (18.04.2025)
- tagesschau.de: Wie die „KPop Demon Hunters“ für einen Korea-Boom sorgen (05.09.2025)
- Tagesspiegel: Hype um „KPop Demon Hunters“ (28.08.2025)
- Spieleverlage e.V.: Umsatztreiber Spiele & Puzzle (22.10.2025)
- Frankfurter Rundschau: SPIEL 2025 in Essen – Die Unsicherheit spielt mit (28.10.2025)
- Ministry of Culture, Sports and Tourism (Korea), Kinderseite: Gonggi (Koreanisch)
- Ministry of Culture, Sports and Tourism (Korea), Kinderseite: Yunnori (Koreanisch)